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SAKRALGIE
(Sacralgie)

Manche Autoren schreiben den Begriff "Sakralgie" auch mit c (Sacralgie).

Der Begriff

Der Wortteil "sakr" bezieht sich auf das Os Sacru m, das Kreuzbein und "algie" bedeutet Schmerzhaftigkeit. Der Begriff Sakralgie steht demnach für einen Kreuzbe inschmerz.

Das Os Sacru m (Kreu zbein) ist in Form eines (groben) Dreiecks schaufelförmig angelegt. Es ist aus der Fusion (= Verschmelzung) von 5 Wirbeln entstanden und durch eine Zwischenwirbelscheibe mit dem letzten Lenden - und dem 1.Steißbein wirbel verbunden.

Die häufigste Ursache einer Sakralgie sind Traumen (= Verletzungen), hauptsächlich in Form von Prellungen, ein Kreuz bein bruch ist eher selten. Nach einer Prellung sind länger anhaltende Schmerzen i.d.R. Folge einer unspezifischen Knochenhautentzündung.

 

Seltenere Ursachen sind:

  1. Infolge Kompression (= Einengung) der sog. Ner ven clunium recurrentes in den Kreu zbein-Löchern

  2. Bei einer sog. Sakralisation. Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette oder inkomplette (= unvollständige) (asymmetrische) mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des 5.Lende nwirbelkörpers mit dem Kreu zbein. Bei der unteren Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1. Steißbeinwirbel, was zusätzlich zu Steißbeinschmerzen führen kann.

  3. Bei Erkrankung der Iliosakralgelenk e (= durch starke Bänder gewährleistete gelenkähnliche Verbindung zwischen dem Kre uzbein und den Becken knochen). Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich (= unterer Lendenwirbelsäule n- und oberer Kr euzbeinbereich), aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior superior (= hinterer oberer Darmbeinstachel) mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher Oberschenkel bis zur Wade und evtl. Ferse).
    Neurologische Ausfälle
    (= Nervenstörungen) bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.

  4. Bei einer Sakralgie aufgrund einer Tuberkulose ist häufiger auch das Hüftgelenk mit einbezogen, man spricht dann von einer Sakrokoxalgie.

Im Rahmen einer offenen Kreuzbei nverletzung kann es auch zu einer bakteriellen Entzündung kommen, wobei die Sakralgie dann hauptsächlich von der Knochenhaut (Periostitis) ausgeht. Zwar ist meist auch das Knochengewebe beteiligt (Ostitis bzw. Osteitis), aber der Knochen selbst ist ja nicht schmerzhaft, da eine entsprechende Nerven versorgung fehlt.

Bei einer anhaltenden Sakralgie (Sacralgie) hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) sehr bewährt. Die sakralen (= dem Kre uzbein entstammenden) Nervenwurzel n sind einzeln in den paarig angeordneten 6 Foramina sacralia (= kleine Öffnungen im Kre uzbein) blockierbar. Wiederholt werden jeweils 1-2 ml Bupivacain 0,25% eingespritzt.

Als nächst höhere Therapiestufe können bei Sacralgie wiederholte Kaudalb lockaden (Sak ralblockaden) durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine sog. rückenmarknahe Betäubung, die über einen kleinen Spalt im Kreu zbein (Sakralkanal) durchgeführt wird.
In hartnäckigen Fällen kann diese Betäubung auch kontinuierlich mit einem eingepflanzten Kunststoffschlauch (Katheter*) erfolgen, sofern dieser wegen der der Gefahr einer Infektion (Nähe zum
Enddarm!) seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel kann die rückenmarknahe Blockade / Betäubung auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.

Schließlich, in ganz hartnäckigen und sehr schmerzhaften Fällen, wird man sich zu einer kontinuierlichen, lumbalen (= den Lende nbereich betreffenden) epiduralen Blockade mit Katheter* entschließen. Diese Methode hat gegenüber der oben beschriebenen, kontinuierlichen kaudalen Blockade den Vorteil, daß der eingepflanzte Katheter länger im Körper belassen werden kann, da das Risiko einer Infektion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) hier geringer ist.

Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei diesen Blockadebehandlungen auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind (Sympathikolyse), woraus im behandelten Körperbereich eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen einer Nervenerkrankung, da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

Bei einer bakteriellen Kre uzbeinentzündung ist es sehr vorteilhaft, das zuvor ausgetestete Antibiotikum parallel zur Behandlung mit dem örtlichen Betäubungsmittel zu verabreichen, weil dann der Wirkstoff aufgrund der besseren Durchblutung die Bakterien auch in ausreichender Konzentration erreicht. Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

Bei einer chronischen Sakralgie sind hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bestehen die Schmerzen im K reuzbein längerfristig, ist im Rahmen einer psychologischen Begleitbehandlung auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle (also auch ältere Patienten) gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden.

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